Was hat Zufall mit dem Sinn des Lebens zu tun?
Über diese Frage musste ich nachdenken, nachdem ich mit Kollegen ausführlich über Determinismus diskutiert habe. Im strengen Determinismus wird davon ausgegangen, dass jedes zukünftige Ereignis auf der Grundlage vergangener Ereignisse festgelegt ist – also bei Kenntnis aller Vorbedingungen potenziell sogar vorhersagbar wäre. Jedes Ereignis wäre demnach eine Wirkung einer oder mehrerer Ursachen.

Wenn man nun also die größte aller Fragen, die nach dem Sinn des Lebens, stellt, sollte es unter der Annahme streng deterministischer Bedingungen möglich sein, ihn herauszufinden bzw. zu „berechnen“. Immerhin wäre in einer streng deterministischen Welt der Sinn des Lebens ja die ultimative, wenn nicht sogar die finale Wirkung allen Lebens.

Und wäre es nicht spannend und vielleicht sogar erleichternd, den Sinn des Lebens zu kennen?

Was hat nun der Zufall mit dem Sinn des Lebens zu tun?

Für mich als Naturwissenschaftler ist der Gedanke befriedigend, um die Möglichkeit zu wissen, allem Leben einen Sinn geben zu können. Nicht, dass ich mich für diese enorme Herausforderung berufen fühle, jedoch beschäftigt mich die Sinnfrage schon sehr lange.

Leider macht mir der Zufall einen Strich durch die Rechnung, denn unter streng deterministischen Bedingungen gibt es keinen Zufall und schon gar keinen objektiven Zufall. Ich persönlich glaube aber an den Zufall und Bestätigung für diesen Glauben erhalte ich durch eine der bisher ungeklärten Fragen der Chemie:

Praktisch alles Leben basiert auf L-Aminosäuren. Zwar gibt es auch D-Aminosäuren, die bisweilen ebenfalls für das Leben wichtig sind, die Grundbausteine allen Lebens sind jedoch die L-Aminosäuren. L- und D-Aminosäuren sind strukturell fast vollständig identisch. Sie verhalten sich zueinander wie Bild und Spiegelbild (bzw. wie rechte und linke Hand); also praktisch gleich, aber doch anders. In einer chemischen Reaktion ist die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung der einen oder der anderen Sorte von Aminosäuren gleich 50%, sprich gleichwahrscheinlich. Unter den Bedingungen während der Entstehung des Lebens gab es keine beeinflussenden Faktoren, die an dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung hätten rütteln können. Dass das gesamte Leben schließlich auf nur einer der beiden gleichwahrscheinlichen Sorten von Aminosäuren beruht, ist in meinen Augen einer der größten Zufälle aller Zeiten.

Was bedeutet das nun?

Kurz gesagt: Wer an den Zufall glaubt, braucht die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht zu stellen.

Ausführlich: Würde man nach dem Sinn des Lebens fragen, würde man davon ausgehen, dass:

  1. es einen Sinn des Lebens gibt und
  2. dieser (eindeutig) benennbar ist.

Das wäre rein logisch nur unter streng deterministischen Bedingungen möglich. Da es im Determinismus keinen Zufall gibt, schließen sich Zufall und ein Sinn des Lebens einander aus. Man kann also entweder an den Zufall glauben, oder an einen Sinn des Lebens.

Aber!

Die Schlussfolgerung bezieht sich auf das Leben als Gesamtheit (Menschen, Tiere und Pflanzen) oder zumindest auf das bewusste Leben in seiner Gesamtheit – also aller Lebewesen, die sich die Frage nach dem Sinn des Lebens überhaupt stellen können (nach aktuellem Stand also der Mensch).

Anders steht es in meinen Augen um den Sinn des individuellen Lebens, also den Sinn Deines Lebens. Ich denke, dass jeder Mensch seinem Leben einen Sinn geben kann, ganz unabhängig davon, ob damit einem höheren Sinn (des Lebens) gedient wird oder nicht. Für den Einzelnen, also für Dich, spielt es keine Rolle, solange dieser Sinn auf Deinen Werten und Überzeugungen beruht.

Sinn, so meine Überzeugung, hat eine immense Kraft, denn er zeigt Dir, was für Dich wirklich wichtig ist; Sinn ist der präziseste Wegweiser, die beste Entscheidungshilfe. Ein sinnhaftes Leben motiviert, macht stolz und lässt Dich mit Überzeugung für alles eintreten, was Dir am Herzen liegt.

Auf den Sinn!

Wir alle sollten einen haben 😉