Geld – ein Thema, das jeden von uns mehr oder weniger beschäftigt, immerhin brauchen wir es, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Manche, meiner Wahrnehmung nach sogar die meisten, scheinen mit Geld aber noch viel mehr zu verbinden, als Einkaufen und Rechnungen bezahlen. Sie sind der Ansicht, dass Geld, wenn sie nur genug hätten, sie glücklich machen wird.

In diesem ersten Artikel zum Thema Geld möchte aufzeigen, inwieweit Geld und Glück zusammenhängen. Ich werde dabei auch auf Zeit eingehen – denn immerhin ist Zeit Geld und könnte damit auch einen Einfluss auf unser Glücksempfinden haben. Am Ende steht die Erkenntnis, dass das Wissen und die Klarheit darüber, was uns wirklich wichtig ist, einen viel entscheidenderen Einfluss auf unser Glücksempfinden haben, als die Menge Geld, die wir besitzen.

Geld allein macht nicht glücklich

Beginnen wir mit dem alten und vermutlich jedem bekannten Spruch „Geld allein macht nicht glücklich“. Man könnte annehmen, dass dieser Ausspruch in der Regel ein Resultat von Neid ist. Aber was steckt wirklich dahinter? Oder ist da tatsächlich etwas dran?

Stellen wir uns vor, wir nehmen diesen Spruch wörtlich. Wir befinden uns in einem Raum, einer Halle oder einem Geldspeicher à la Dagobert Duck und vor uns liegt haufenweise Geld; in Scheinen, Münzen, als USB-Stick (Bitcoin), was auch immer. Und nun sitzen wir da, vor unserem Geld… Vielleicht sind wir anfangs tatsächlich glücklich über diese Unmengen an Geld, vielleicht schaffen wir es sogar, darin zu schwimmen. Uns wird vermutlich aber recht bald klar, dass Geld allein tatsächlich nicht glücklich macht, wenn wir es allein lediglich besitzen.

So betrachtet ist die Aussage „Geld allein macht nicht glücklich“ natürlich wahr. Aber dieses Szenario ist ja auch sehr überspitzt. Die Grundannahme, die zu der Auffassung „Geld macht glücklich“ führt, ist die, dass wir uns damit so gut wie alles kaufen können, was uns glücklich machen könnte. Genau diese Kausalität wird von dem Spruch „Geld allein macht nicht glücklich“ in Frage gestellt – und das durchaus zurecht, auch ohne, dass man überspitzt. Denn zunächst müsste geklärt sein, ob Glück – in welcher Form auch immer – überhaupt mit Geld gekauft werden kann. Und falls ja: Was von dem, was wir mit Geld kaufen können, macht uns glücklich? Diese Fragen lassen sich nur sehr schwer beantworten und wenn, dann nur ganz individuell.

Meiner Ansicht nach sind diese beiden Punkte – also die Möglichkeit, „Glück für Geld“ zu kaufen und das Wissen um das, was tatsächlich glücklich macht – notwendige Voraussetzungen, um Geld wirksam in unser Glück zu investieren. Wie wichtig diese beiden Punkte sind, zeigen viele Erfahrungen von Menschen, die unverhofft zu einer großen Summe Geld gekommen sind – Lottogewinnern. Nicht selten wird der Gewinn in verhältnismäßig kurzer Zeit für vermeintlich glückstiftende Anschaffungen ausgegeben, nur um am Ende des Geldes noch unzufriedener zu sein. Aber nicht nur das, ein großer Geldsegen durch einen Lottogewinn führt nicht selten auch zu sozialem Druck und emotionalem Stress. Und selbst bei denen, die es schaffen, vernünftig mit dem Gewinn umzugehen, verpufft der mit dem Geld verbundene positive Effekt auf das Glücksempfinden nach wenigen Jahren.

Geld allein, vor allem wenn es unvermittelt und in großen Mengen in unser Leben tritt, macht uns also nicht oder zumindest nicht dauerhaft glücklich. Aber schauen wir weiter, denn wir sind mit der Beweisführung noch nicht fertig.

Zeit allein macht auch nicht glücklich

Nicht nur Geld allein macht nicht glück. Auch Zeit allein kann uns nicht glücklich machen.

Mit Ausnahme von reichen Erben, gehen Menschen, die viel Geld besitzen, häufig sehr zeitintensiven Tätigkeiten nach. Nicht selten stimmt in solchen Fällen die Aussage „Zeit ist Geld“. Doch kann Geld, das wir mit hohem Zeiteinsatz erkaufen, glücklich machen? Selbst wenn wir wüssten, wofür wir das Geld glückstiftend einsetzen könnten, wenn wir keine Zeit dafür haben, hat es im Sinne des Glücksempfindens wiederum keinen Wert. So erklärt es auch der Glücksforscher Mathias Binswanger.

Aber ließe sich daraus der Schluss ziehen, „Zeit allein macht glücklich“? Wohl kaum! Denn wenn wir uns vorstellen, wir hätten unendlich viel Zeit, aber weder finanzielle Mittel, noch eine Idee, was wir mit Zeit aber ohne Geld anfangen könnten, wird schnell klar, wie absurd dieser Gedanke ist.

In unserer Gesellschaft ist ein gewisses Maß an Geld schlicht notwendig, um unsere Existenz zu sichern. Haben wir zu wenig Geld, zahlt jedes bisschen mehr davon positiv auf unser emotionales Konto ein. Wie Forschungsarbeiten von Richard Easterlin gezeigt haben, wird uns durch Geld (Existenz-)Angst und Stress genommen. Ob die Abwendung negativer Gefühle dann automatisch bedeutet, dass wir im Gegenzug entsprechend glücklicher oder zufriedener sind, oder eben nicht, ist in einer solchen Situation gar nicht entscheidend. Fakt ist, dass sich Geld tatsächlich positiv auf unsere Emotionen auswirkt, wenn wir unterhalb des (individuellen) Existenzminimums leben.

Auch Zeit allein reicht also nicht aus, um uns Glück zu bescheren. Denn wir brauchen – wenig überraschend – zumindest ein Minimum an Geld, um unsere Existenz zu sichern.

Geld und Zeit zusammen machen auch nicht (per se) glücklich

Braucht es also die Kombination aus Geld und Zeit, um glücklich zu sein? Auch hier gibt es wieder ein klares Nein! Deutlich wird das am Beispiel der Lottogewinner, die sich neben irgendwelchen Luxusgütern meistens auch Zeit gekauft haben, indem sie als erstes ihren Job gekündigt haben.

Zwar kann man sich mit Geld viele tolle Dinge leisten, denen man mit viel Zeit auch nachgehen kann. Zu dauerhaftem Glück führen sie dennoch nicht. Das liegt zum einen daran, dass Geld einen sogenannten Grenznutzen hat. Das bedeutet, dass ab einer gewissen Summe (im Schnitt irgendwas zwischen 60.000€ und 80.000€ brutto pro Haushalt!) der Beitrag zusätzlichen Geldes zu unserem Glücksempfinden stark abnimmt. Auch diese Erkenntnis geht auf den bereits erwähnten Richard Easterlin zurück und wird Easterlin-Paradox genannt.

Zum anderen wirkt der Gewöhnungseffekt, der besagt, dass wir uns an jede neue Situation, also auch an mehr Geld, gewöhnen, wenn sie nur lange genug beständig ist. Und in diesem Effekt liegt eine Gefahr! Je mehr wir uns an bestimmte Bedingungen und einen durch Geld erkauften Lebensstandard gewöhnen, desto abhängiger sind wir davon, diesen Standard auch zu halten. Das erzeugt Druck und Stress – der einst positive Effekt des Geldes kehrt sich ins Negative um. So ließe sich dann auch erklären, dass manche Menschen bei gleicher zur Verfügung stehenden Menge Geld glücklicher sind als andere. Die einen haben vielleicht vor kurzem eine ordentliche Gehaltserhöhung bekommen (sind also nicht gewöhnt), während die anderen möglicherweise durch Kurzarbeit Gehaltseinbußen erleiden (sind also eigentlich an noch mehr gewöhnt). Der Gewöhnungseffekt kann somit auch als nachvollziehbarer Grund für das Auftreten des Easterlin-Paradox‘ dienen.

Was wirklich zählt

Was statt Geld wirklich zählt.

Das Interessante an diesem Paradox ist meiner Ansicht nach, dass es nur dann tatsächlich paradox ist, wenn man an die Formel „Geld = Glück“ glaubt. Selbst Wissenschaftler unterliegen also dieser gängigen Prägung. Wie wir aber gezeigt haben, geht diese Formel jedoch nicht auf.

Aber was ist es denn dann, was uns unserem Glück näher bringt?

Ich habe vier Punkte zusammengestellt, die zum Nachdenken anregen und dabei helfen sollen, unserem Glück etwas näher zu kommen:

  • Wissen, wann es genug ist

Da nach der Existenzsicherung – die wie ich glaube weniger individuell ist, als man denkt – die durch Geld erkaufte Steigerung des Glücksempfindens auf Kurz oder Lang verpufft, ist es ratsam, seine Energie nach Erreichen dieser Grenze etwas anderem zu widmen, als dem Geldverdienen. Sobald also „genug“ vorhanden ist, entziehen wir dem Geld bewusst seine starke und zentrale Rolle.

Was uns dabei helfen kann, ist ein Verständnis für den Unterschied zwischen dem, was wir brauchen und dem, was wir wollen.

  • Konzentration auf die innere Referenz

Als soziale Wesen neigen wir dazu, uns mit anderen zu vergleichen – wir orientieren uns an äußeren Referenzen. Insbesondere wenn es ums Geld geht, sind solche Vergleiche allerdings nicht nur potenziell schädlich, sondern meist auch unsinnig.

Dazu folgendes Beispiel: Wir arbeiten in irgendeinem Job und bekommen ein auskömmliches Gehalt. Gemessen an unseren Ansprüchen sind wir zufrieden, wir können uns alles leisten, was wir brauchen und darüber hinaus noch sogar mehr. Nun steht die jährliche Gehaltsrunde an und wir bekommen eine X%ige Gehaltserhöhung. Allerdings stellen wir fest, dass die Kollegin eine X+2%ige Erhöhung bekommen hat. Sich jetzt mit der Kollegin zu vergleichen, ist potenziell schädlich, da wir uns möglicherweise darüber ärgern, dass die Kollegin für gleiche, oder in unseren Augen sogar schlechtere Arbeit, eine größere Erhöhung bekommen hat. Wir aktivieren also negative Emotionen, die aus einem Umstand entstehen, den wir in Gänze gar nicht greifen können. Unsinnig ist der Vergleich deshalb, weil wir ja schon vor der Erhöhung mit unserem Gehalt zufrieden waren.

Orientiere Dich also nicht an den anderen – auch wenn das unheimlich schwer fällt – sondern an Deinen eigenen Ansprüchen und Vorstellungen.

  • Was uns wirklich wichtig ist

Erinnern wir uns nochmal an die Menschen, die einer zeitintensiven Tätigkeit nachgehen und dabei unter Umständen sehr viel Geld verdienen. Wir hatten angenommen, dass sie vermutlich wenig Zeit haben, ihr Geld zu nutzen. Und doch bin ich überzeugt davon, dass es viele unter ihnen gibt, die tatsächlich glücklich mit ihrer Situation sind. Das deutet darauf hin, dass das Glücksempfinden weniger mit dem Gehalt zusammenhängt, als vielmehr mit der Art, mit der es verdient wird.

Nicht jedem ist es gegönnt, das zu tun, was ihn glücklich macht. Dennoch denke ich, dass zu wissen, was uns wirklich wirklich wichtig ist, unheimlich wertvoll ist. Das Wissen dient uns als Wegweiser und Entscheidungshilfe in unserem Leben. Und möglicherweise finden wir Wege, unserer Tätigkeit eine Richtung zu geben, von der wir überzeugt sind und die für uns eine wahre Bedeutung hat.

  • Die Chance in der Veränderung

Der Gewöhnungseffekt lehrt uns, dass Glück nicht im Status quo liegt. Wie es scheint, brauchen wir also regelmäßig Veränderung oder eine Weiterentwicklung, um unser Glücksempfinden auf einem hohen Niveau zu halten. Diese Entwicklung sollten wir, wie oben ausgeführt, aber nicht in einem Mehr an Geld und den damit verbundenen Annehmlichkeiten suchen.

Eine außerordentlich reizvolle Art der Veränderung ist stattdessen die, des persönlichen Wachstums. Gepaart mit dem, was uns wirklich wichtig ist, entsteht ein starker Antrieb für dauerhafte Entwicklung, die nachhaltig glücklich machen kann.

Fazit

Unser Glücksempfinden hängt nur bis zu einem gewissen Grad an der Menge Geld, die uns zur Verfügung steht. Viel wichtiger ist Klarheit darüber, was uns wirklich wichtig ist und die Motivation, in diesem Sinne zu handeln und uns weiterzuentwickeln.

Was bedeutet schon Geld? Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen das tut, was ihm gefällt.

Bob Dylan

Unser Glück vom Geld weitestgehend unabhängig zu finden, ist gewiss keine leichte Aufgabe – vor allem nicht unter den gegebenen Rahmenbedingungen. Die vier Anregungen bieten dafür bereits hilfreiche Anhaltspunkte. Auch ich unterstütze Dich gerne dabei, Deine Glaubenssätze über Geld zu hinterfragen und zu finden, was Dir wirklich wichtig ist. Kontaktiere mich gerne, wenn Du mit mir zusammenarbeiten möchtest.